Reinhold Ziegler über „Perfekt geklont“
Wie kamen Sie auf die Idee, einen futuristischen Roman für Jugendliche zu schreiben?
Es gibt genügend Gründe, sich über die Zukunft zu sorgen. Schon im Roman „Version 5Punkt12" hatte ich ja ein Zukunftsthema angesprochen, damals die Macht der Computer. Ein zweites Thema, das mir auf dem Herzen lag, war eben das Klonen. Jugendliche von heute sind die Verantwortungsträger von morgen. Und die heutige Bildung überbetont leider die wissenschaftliche Bildung und tut wenig für die moralische.
Trotz der pessimistischen Zukunft gibt es dennoch Hoffnung in Ihrer Geschichte. Wäre eine andere Haltung für ein Jugendbuch überhaupt möglich?
Ich schreibe nicht für Kinder, ich schreibe für Jugendliche. Das ist ein Unterschied. Jugendliche erkennen, dass eine Negativutopie keine Zukunftsvorhersage, sondern eine Warnung ist. In diesem Sinne hätte ich auch keine Probleme mit einem hoffnungslosen Ende.
Worin liegt für Sie die Herausforderung, für Kinder und Jugendliche zu schreiben?
Es ist keine Herausforderung, es ist einfach das, was ich schon seit geraumer Zeit tue, weil ich glaube, dass ich es kann. Das Schreiben für Jugendliche ist viel weniger analytisch und viel emotionaler als das Schreiben für Erwachsene. Und das liegt mir einfach.
Inwieweit spielen Sie stilistisch mit der Sprache, um die Jugendlichen in die Welt Ihrer Geschichte zu ziehen?
Wie gesagt, ich schreibe weniger mit dem Kopf als mit dem Bauch. Insofern mache ich mir zumindest während des Schreibens darüber wenig Gedanken. Und wenn ich stilistisch spiele, dann sind das Spiele für jede Altersgruppe.
Was möchten Sie den Jugendlichen mit der Geschichte von Aurun und Mexan mitteilen?
Auf die Frage „Was will uns der Autor damit sagen?“ antworte ich seit meinem letzten Deutschunterricht nicht mehr, weil ich sie schon immer im Grundsatz für verkehrt gestellt halte. Ein Buch vermittelt entweder seine Botschaft, dann braucht man nicht danach zu fragen. Oder es ist so schlecht, dass keine Botschaft beim Leser ankommt. Dann lohnt es nicht, danach zu fragen.
Was bedeutet für Sie Zukunft – nicht so sehr in ihrer Ausgestaltung als vielmehr in Ihrer Auffassung von Leben und Menschsein?
Nach Jahrzehnten der Hoffnung sind leider wieder Dummheit und Gier zu den Triebfedern der gesellschaftlichen Entwicklung geworden. Ich sehe die Menschheit zurzeit in einer Rückwärtsbewegung, was die moralischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Werte betrifft. Der Einzelne entzieht sich dem durch Flucht ins Private, was die Entwicklung aber nicht zu stoppen vermag.
Welche Resonanz erhoffen Sie sich vor allem in Deutschland von den Medien durch den Kinder- und Jugendbuchpreis hier in Österreich?
Leider ist der Preis in Deutschland relativ unbekannt, von daher wohl auch ohne große Wirkung. Ähnliches gilt aber auch für den Deutschen Jugendliteraturpreis, der zwar bekannt ist, aber auch keine große Wirkung entfaltet. Offensichtlich glaubt man dem Urteil der Jurys weniger als zum Beispiel Besprechungen oder Werbemaßnahmen. Die Ursachen hierfür sind zu diskutieren.