Ursula Poznanski über „Die allerbeste Prinzessin“

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über drei verzogene Prinzessinnen und deren verzweifelten Vater zu schreiben?
Eigentlich ist es die Umkehrung eines alten Motivs, dem der drei Prinzen (oder wahlweise Müllersöhne), die ausziehen um herauszufinden, wer von ihnen der Beste ist und wem daher die Prinzessin und das halbe Königreich zusteht. Hier ist es umgekehrt: Nur ein einziger Prinz weit und breit, dafür drei zielstrebige Prinzessinnen, die um ihn wetteifern und dabei nicht zimperlich sind. Der verzweifelte Vater ergibt sich da ganz von selbst.

Wie unterscheidet sich Ihr Märchen von den herkömmlichen?
Das Happy End fällt ein wenig anders aus. Niemand verwandelt einen Kürbis in eine Kutsche oder einen Frosch in einen Prinzen. Eher im Gegenteil. Außerdem ist es das erste Märchen, in dem wir erfahren, dass Drachen eine Schwäche für Himbeerpudding haben.

Worin liegt für Sie die Herausforderung, für Kinder und Jugend zu schreiben? Schreiben Sie zum Ausgleich? Vor allem im Unterschied zu Ihrer Arbeit als Journalistin für medizinische Zeitschriften?
Ich finde, dass das Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern den Autor vor die gleichen Aufgaben stellt wie das Schreiben für Erwachsene. Egal wie alt Leser sind, es gibt keine Ausreden für abgedroschene, vorhersehbare Plastikgeschichten, die im Kopf ein ähnlich flaues Gefühl hinterlassen wie Fastfood im Magen. Für mich ist die besondere Herausforderung beim Schreiben für Kinder das Finden der richtigen Balance: Eine Sprache, die anspruchsvoll ist, aber trotzdem verständlich, und auf keinen Fall hoch gestochen. Eine Story, die überrascht, aber nicht verwirrt, und die vor allem Spaß macht.
Was den Ausgleich betrifft: Ich würde es eher als schreiberisches Doppelleben bezeichnen. Journalistisches Schreiben und kreatives Schreiben sind wie Sprechen und Singen: Man beansprucht das gleiche Werkzeug, benutzt es aber auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Inwieweit spielen Sie stilistisch mit der Sprache, um die Kinder in die Welt Ihrer Geschichte zu ziehen? Und gilt das für Mädchen und Buben gleichermaßen? Vor allem in Bezug auf das Thema Identifizierung innerhalb einer Geschichte?
Ja, natürlich möchte ich Mädchen und Buben gleichermaßen in die Geschichte hineinziehen. Ich glaube nicht, dass man dazu unterschiedliche sprachliche Stilmittel braucht. Ob Mädchen leichter einen Zugang zu der Geschichte finden, weil drei Mädchen im Mittelpunkt stehen? Möglich, aber sicher bin ich mir da nicht. Ich glaube, dass das Interesse an Märchen geschlechtsneutral ist.

Was möchten Sie mit den Prinzessinnen und ihrer Geschichte den Kindern mitteilen? Spontan zu sein und sich mit seinen Ideen durchzusetzen?
Ganz ehrlich, ich möchte nichts mitteilen. Mir sind Bücher, an deren Ende plötzlich ein Zeigefinger hoch ploppt, ziemlich unangenehm. Ich glaube nicht, dass die Prinzessinnen eine Botschaft haben müssen, auch wenn der Gedanke „Miteinander funktioniert besser als gegeneinander“ zu guter Letzt recht deutlich im Raum steht. Reizvoller finde ich ja das Spielen mit Klischees. Prinzessinnen sind schön und sanft. Prinzen sind edel und mutig. Ergo freuen Prinzessinnen sich kringelig, wenn sie von Prinzen geheiratet werden. Oder nicht? Und wenn nicht, was passiert dann?

Wie wichtig ist die Illustration für Ihre Geschichte oder auch im Allgemeinen für Kinderbücher?
Sehr wichtig, und ich bin unheimlich froh, bisher solches Glück mit meinen Illustratorinnen und Illustratoren gehabt zu haben. Sybille Hein hat enorm viel eigenen Witz in das Buch mit eingebracht und wir sind beide sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Ist das Pflücken von Blumen ein Zeichen für das „Sich sammeln“ nach der Zerstreuung?
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann beziehen Sie sich auf die Stelle, an der der König beginnt, Gänseblümchen auszurupfen, als sich abzeichnet, dass seine Verheiratungspläne den Bach runter gehen? Nein, ich glaube nicht, dass er sich sammeln will. Er ist einfach nur hilflos, der arme Kerl.

Welche Resonanz erhoffen Sie sich von den Medien durch den Kinder- und Jugendbuchpreis?
Ganz grundsätzlich würde ich mir von den Medien wünschen, dass sie beginnen, Kinder- und Jugendbücher überhaupt wahrzunehmen. Im deutschsprachigen Raum tut sich diesbezüglich medial sehr wenig, wenn man zum Vergleich etwa England oder Frankreich heranzieht. Welche Resonanz ich persönlich mir erhoffe? Möglichst gute natürlich. Und möglichst viel davon.