Heinz Janisch über „Heute will ich langsam sein“

Wie kamen Sie auf die Idee, ein lyrisches Buch für Kinder zu schreiben?

Janisch: Meine Lyrik-Sammlung „Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon“, erschienen im Verlag Jungbrunnen, war ein schöner Erfolg. Das Buch ist bereits in mehreren Auflagen erschienen. Ich habe damit viele Lesungen und Workshops in Schulen abgehalten. Der neue Band ist eine Weiterführung, wieder als Buch mit vielen Anregungen gedacht. Zum Weiterdichten, zum Reimen und um mit Sprache zu spielen. Lyrik für Kinder erscheint mir wichtig: der lustvolle, kritische Umgang mit Sprache, das Fragenstellen, die Lust auf den Reim, auf die vielen Formen der Poesie. Poesie kann ein Wegbegleiter werden, sozusagen Proviant.

Erschließt sich durch Poesie eine andere Welt für Kinder? Ein Mehr an Phantasie, um sich die Geschichte größer auszumalen?

Janisch: „Just put it into a nutshell – Leg es in eine Nussschale“ heißt es im Englischen, wenn man sagen will: „Bringt es auf den Punkt.“ Gedichte sind solche Nussschalen. In kleiner konzentrierter Form ist alles da an Geschmack, Überraschung, Geschichte.

Inwieweit spielen Sie stilistisch mit der Sprache, um die Kinder in die Welt Ihrer Geschichte zu ziehen?

Janisch: Das Spiel mit der Sprache verändert den Blick auf das Material „Sprache“.
Im WORT steckt der ORT, im TRAUM der RAUM usw. – wer bei so einem Spiel „Wortdetektiv“ wird, der lernt einen neuen Umgang mit Sprache.

Was möchten Sie mit Ihren Gedichten den Kindern mitteilen?

Janisch:Dass die Neugier und der genaue Blick auf die Welt zeigt, wie spannend dieses Leben ist.

Wie wichtig ist die Illustration für Ihre Poesie in Bezug auf Verständnis für Kinder?

Janisch:Die Illustration erzählt oft Neues hinzu. Ein Doppelgeschenk. Da ist mein Wort, da ist das Bild – das ja auch Sprache ist. Ich freue mich, wenn die Bilder zu den Gedichten ihre eigene Poesie entwickeln und nicht nur Inhalte abbilden.

Kann die Illustration Gefahr laufen, Ihre Gedichte oder auch Gedichte im Allgemeinen falsch zu übersetzen? Sozusagen „ihre Muttersprache“ bildhaft falsch zum Ausdruck bringen? Oder auch wie im Klappentext beschrieben: „Die Bilder von Linda Wolfsgruber erzählen dazu ihre eigenen wunderbaren Geschichten“?

Janisch: Gedichte liest jeder in sich, für sich, neu. Er entscheidet auch, wie er das Bild in seiner Vorstellung „dazusetzt“ oder wegschiebt. Schön, dass Linda oft zu einem Text neue Geschichten erzählt. Da bleibt das Schauen spannend.

Welche Resonanz erhoffen Sie sich von den Medien durch den Kinder- und Jugendbuchpreis, vor allem in Rückbesinnung auf Ihren Preis ein Jahr zuvor?

Janisch:Schön wäre, wenn viele Medien den Preis wahrnehmen – Medien, die nicht nur für ein Fachpublikum bestimmt sind.