„Das Buch wird für mich am schönsten, wenn ich mich selbst mit meiner Arbeit überraschen kann.“
Linda Wolfsgruber im Gespräch

Portrait Linda Wolfsgruber

 

Sie sind regelmäßig mit Ihren Büchern beim Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis vertreten. Heuer wurde Ihr Buch „Das Meer ist riesengroß" mit einem Preis ausgezeichnet und zwei weitere Titel von Ihnen wurden in die Kollektion zum Preis aufgenommen. Wie geht's Ihnen dabei?

Wolfsgruber: Ich bin sehr glücklich darüber. Nun bin ich doch schon öfters ausgezeichnet worden, aber jedes Mal ist es eine Überraschung für mich. Ich freue mich sehr, dass meine Arbeit so geschätzt wird, es ist eine große Anerkennung für mich.

Welchen Unterschied gibt es denn, wenn Sie als Illustratorin an einer Erzählung von Inge Fasan, einer Sammlung mit Gedichten und Geschichten von Friedl Hofbauer oder an einer Kinderbibel arbeiten?

Wolfsgruber: Ich liebe es, wenn ich mir für jedes Buch etwas ganz Besonderes ausdenken kann. Das beginnt mit der Wahl der Mal- oder Zeichentechnik und hört dann bei der Gestaltung der Typografie auf. Leider kann ich Letzteres nicht immer selbst bestimmen, weil der Verlag oft schon Vorgaben hat.

Wie war das bei „Das Meer ist riesengroß“?

Wolfsgruber: Das Buch mit Inge Fasan ist so entstanden, dass ich eigentlich schon jede Menge „Wasserbilder“ gemalt hatte. Da gab es eine Serie vom Jörgerbad, dem Schwimmbad im 17. Wiener Gemeindebezirk, und da gab es auch noch Bilder und Zeichnungen vom Wörthersee, wo ich in Velden an einem Malersymposium teilgenommen habe. Also jede Menge „Wasserbilder“. Und dann kam Inge Fasan mit ihrem „Meerestext“. Zufall oder nicht, es hat so gut gepasst, dass ich nur noch wenige Bilder für unser Buch machen musste. Ich fand, zu diesem sachlichen Text sollte unbedingt Stimmung dazukommen und so habe ich Inge Fasans Geschichte und meine Welt in Blau getaucht.

Und bei den Gedichten und Erzählungen von Friedl Hofbauer?

Wolfsgruber: Die Geschichten für das Buch „Geduld bringt Frösche“ hat mir Richard Pils von der Bibliothek der Provinz zugeschickt. Den Zugang und den Schlüssel für die Gestaltung zu diesen Geschichten hat mir eine meiner alten Arbeiten ermöglicht: Es ist eine Haube aus Papier mit schwarzem Kohlestaub. Darauf hatte ich viele weiße Löwenzahnschirmchen angeklebt. Diese Haube habe ich fotografiert und zusammen mit einem Foto von einer Frau aus einer alten Modezeitschrift aufs Papier geklebt. Dazu kamen noch zwei Figuren aus grünem Buntpapier – und fertig war meine erste Collage für das Buch. Es sind meistens die kleinen und unwesentlichen Details in einer Geschichte, die mich inspirieren. Zum Glück weiß ich am Anfang nie, wie die Geschichte für mich ausgeht. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass mich eine genaue Vorstellung für die Gestaltung eher hemmt. Das Buch wird für mich am schönsten, wenn ich mich selbst mit meiner Arbeit überraschen kann.

War es eine besondere Herausforderung für Sie, Bilder zum „Buch der Bücher“ zu gestalten?

Wolfsgruber: Als mir der Auftrag „Das Leben Jesu“ zu bebildern ins Haus kam, gab es zuerst große Freude, dann große Aufregung und dann kam die Angst. In meinem Kopf sind alle möglichen Jesusabbildungen, verschiedenste Darstellungen vom Leben und Schaffen Jesu an den Wänden von verschiedensten Kirchen herumgetanzt. Ein Thema, das so oft schon bebildert wurde, macht Angst. Ich habe die verschiedenen Bilder noch einmal gesichtet und bin dann an einem Künstler nicht vorbeigekommen: Giotto. In meiner Arbeit wollte ich die Tradition der italienischen Malerei sowie die traditionelle Architektur, die Landschaft und die Kleidung der Menschen aus dem Leben und der Zeit Jesu zusammenbringen. Es sollte aber auch ein Buch werden, in dem man klar erkennt, dass die Bilder in der heutigen Zeit gemacht wurden. Während ich am Buch gearbeitet habe, hat mich ein Theologe und Bibelkenner in Fragen bezüglich Symbolik, richtige Darstellung usw. sehr unterstützt.

Sie haben einige Monate in Teheran gelebt und gearbeitet. Inwieweit sind Ihre Eindrücke und Erfahrungen, die Sie dort gesammelt haben, in die Gestaltung der Kinderbibel eingeflossen?

Wolfsgruber: Leider konnte ich die Eindrücke von meiner Reise nicht einfließen lassen, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Arbeit zur Bibel bereits fertig gestellt. Später machte ich im Iran einmal einen Inlandsflug – ich bin über die Wüste geflogen – und da sah ich diese kräftigen Schlagschatten von den Steinen und von den Sträuchern, genau so wie ich sie in der Bibel gezeichnet hatte. Hätte ich die Bibel nach meinem Aufenthalt im Iran gemacht, so glaube ich, dass sich Farben, Landschaftsbilder und Städtebilder sicherlich geändert hätten. Vielleicht wären sie dadurch noch authentischer geworden.

Jedoch konnte ich im Iran zwei Buchprojekte machen, eines davon ist „Pistazien und Rosenduft“, ein Kochbuch über die traditionelle persische Küche. Ich habe dieses Buch gemeinsam mit elf Studentinnen und Illustratorinnen gestaltet. Das zweite Buchprojekt mit dem Titel „Der Vogel ist sterblich“ ist eine konzeptuelle Arbeit. Es geht um die Verhüllung der Frauen, um Ganzkörperschleier und Augenmasken. Ich habe die Masken auf Papier aufgemalt oder aufgestickt und sie mit Motiven aus der traditionellen Miniaturmalerei versehen. Diese Arbeit begleiten Gedichte von Forugh Farrochsad, einer Literatin aus dem Iran.

Mit drei neuen Büchern im Jahr 2007 zählen Sie zu den produktivsten Buchillustratorinnen des Landes. Welche Projekte liegen denn zurzeit in der „Werkstatt Linda Wolfsgruber“?

Wolfsgruber: Es gibt momentan vier Bücher, die dieses oder im nächsten Jahr publiziert werden. „Finns Land“ mit einem Text von Heinz Janisch wird im Herbst 2008 im Hanser Verlag und „Daisy ist ein Gänseblümchen“ im Frühjahr 2009 im Jungbrunnen Verlag erscheinen. Für die beiden anderen Bücher – „Animali di compagia“, eine Gedichtsammlung von Jorge Lujan, und „Al oltro lado del rio“, eine Geschichte von Antonio Ventura – gibt es noch keinen Erscheinungstermin.

Da können wir uns ja schon jetzt auf die neuen Bücher von Ihnen freuen. Wir danken für das Gespräch.


Linda Wolfsgruber wird für das Buch „Das Meer ist riesengroß“ mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2008 in der Kategorie Jugendbuch ausgezeichnet.

Die Bücher „Das Leben Jesu“ und „Geduld bringt Frösche“ wurden in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2008 aufgenommen.