„Beim Illustrieren ist es die Suche nach dem einen, besonderen, manchmal vielleicht auch magischen Moment.“
Jens Rassmus im Gespräch

Portrait Jens Rassmus

 

Im vergangenen Jahr wurde Ihr Bilderbuch „Der Großvater im rostroten Ohrensessel“ mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Der Text und die Geschichte stammen von Jutta Treiber. Heuer erhalten Sie für Ihr Kinderbuch „Der karierte Käfer“ diesen Preis. Text und Illustration: Jens Rassmus. Wird man vom Schriftsteller Jens Rassmus in Zukunft noch mehr zu lesen kriegen?

Rassmus: „Der karierte Käfer“ ist das vierte Buch, das ich selbst geschrieben habe und ich würde gerne noch weitere schreiben. Im Moment plane ich eine längere Geschichte, einen kleinen Roman für Kinder, mal sehen, ob es gelingt. „Der karierte Käfer“ war ja bereits ein Schritt vom Bilderbuch weg, hin zu einer textlastigeren Form, auch wenn die Geschichten im Buch sehr kurz sind.

Illustrieren und Schreiben sind ja zwei völlig unterschiedliche künstlerische Tätigkeiten.

Rassmus: Ich habe eine Reihe schwarzer Hefte, in die ich Ideen für bestimmte Situationen, Sätze, Figuren oder andere Details, die mir einfallen, hineinschreibe und -zeichne. Wenn ich an einer Geschichte arbeite, versuche ich aus diesen einzelnen Ideen etwas Zusammenhängendes zu bauen. Ich denke dabei meist noch nicht in Kategorien von Text oder Bild. Oft habe ich eine Vorstellung davon, was passiert, weiß aber noch nicht, warum etwas passiert. Einige Dinge lassen sich gut in Texten und andere gut in Bildern erzählen. Vieles lässt sich sicher auch auf ganz verschiedene Weisen gut erzählen, und ich finde es reizvoll, mir über diese Möglichkeiten Gedanken zu machen. Beim Schreiben versuche ich auf Rhythmus und Timing zu achten, beim Illustrieren ist es die Suche nach dem einen, besonderen, manchmal vielleicht auch magischen Moment. Wenn Text und Bild zusammenkommen, ist es eigentlich immer dieser Gegensatz von fließend und starr, der den Reiz ausmacht.

In Ihrem Buch „Der karierte Käfer“ bewegen Sie sich in der literarischen Tradition der Fabel. Wir alle kennen den schlauen Reinecke Fuchs, den stolzen Storch Adebar, die geschwätzige Gans Adelheid, den vorlauten, aber ängstlichen Meister Lampe. Haben Sie sich durch die Bewohner dieses sehr menschlichen Zoos inspirieren lassen?

Rassmus: Nein, ich glaube nicht. Mein Fuchs ist eher ein cholerischer Trottel und nicht besonders schlau. Es gibt schon auch Eigenschaften, die ich bestimmten Tieren nicht unbedingt zutraue, z.B. fällt es mir schwer, mir eine kluge Ente vorzustellen. Aber ich habe das Gefühl, diese festgelegten Tiercharaktere aus der traditionellen Fabel sind mittlerweile ziemlich verblasst.

Ihre Tiere sind aber auch sehr menschlich, und dem entscheidungsschwachen Bärenkind, dem lernresistenten Flamingo und dem depressiven Elefanten mit Gewichtsproblemen aus Ihrem Buch bin ich bereits begegnet. Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte: Die klassische Fabel will belehren und unterhalten. Was kann ich denn aus Ihren Fabeln lernen?

Rassmus: Wenn Sie sagen, dass Ihnen solche Figuren wie in den Geschichten schon über den Weg gelaufen sind, freut mich das. Wenn Sie sagen würden, Sie hätten diese oder jene Lehre aus den Geschichten ziehen können, würde es mich eher beunruhigen, denn das hieße, dass sie gradlinig und zielgerichtet wären, und mir ging es eigentlich gerade um Wendungen und Brüche. Doch ich glaube, man kann aus allen Geschichten, die einen in irgendeiner Weise berühren, etwas lernen.

Wenn ich Sie in eine Reihe mit anderen Illustratoren stellen müsste, so fallen mir Michael Sowa und Bernd Pfarr ein.

Rassmus: Ich würde meine Bilder nicht mit denen Michael Sowas und Bernd Pfarrs in eine Reihe stellen, denn diesem Vergleich hält meine Arbeit nicht stand. Die Bilder von Sowa und Pfarr schätze ich aber sehr, das stimmt, und es kann schon sein, dass mich von den zeitgenössischen Buchillustratoren diese zwei mit am meisten beeinflusst haben. Insofern liegen Sie da schon ganz richtig.

Wie lange müssen wir denn auf den „neuen“ Jens Rassmus noch warten? Und können Sie uns schon etwas verraten?

Rassmus: Das nächste, was erscheinen wird, ist eine Piratengeschichte mit dem Titel „Sonundso“ im Coppenrath Verlag, für die ich die Illustrationen gemacht habe. Und dann hoffe ich sehr, dass der Sauerländer Verlag Anfang 2009 das Bilderbuch „Bauer Enno und seine Kuh Afrika“ neu auflegt. Ansonsten versuche ich gerade – wie schon gesagt – ein längeres Buch zu schreiben. Doch da kann ich noch nichts verraten, denn ich weiß selbst noch kaum etwas darüber.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Jens Rassmus wird für das Buch „Der karierte Käfer“ mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2008 in der Kategorie Kinderbuch ausgezeichnet.